Central Station - Die Ausstellung zu ECHT

"Central Station - Hamburg Hbf" - so heißt die Ausstellung mit den Fotos von Tom Linardatos, die vom 15. April bis 20. Mai 2018 in der St. Georgskirche Hamburg gezeigt wird. Die Fotoaufnahmen sind im Rahmen der Theaterproduktion "ECHT" nach dem gleichnamigen Jugendroman von Christoph Scheuring entstanden, der die Geschichte von Straßenkindern in und rund um den Hamburger Hauptbahnhof thematisiert.

Die Ausstellung wurde am Sonntag, 15. April 2018 im Anschluss an den Hamburger Diakonie-Gottesdienst zum Thema "JugendTräume - Wer bin ich und wer soll ich sein" (18 bis 19 Uhr) eröffnet.

Einführung von Dr. Eva Lindemann

von der Stiftung Hoffnungsorte Hamburg:

Vernissage 

Central Station - Hamburg Hbf

s/w-Fotos von Tom Linardatos

 

 

DIE MYSTERIEN FINDEN AM HAUPTBAHNHOF STATT

Joseph Beuys 

 

Mein Name ist Eva Lindemann, als Mitglied im KR ich betreue die Kunstausstellungen und begrüße Sie ganz herzlich im Namen der Gemeinde St. Georg-Borgfelde.

 

Liebe Damen und Herrn, liebe Gemeinde, lieber HP Ahrens, Elisabeth Kühn, lieber Hans, lieber Tom Linardatos, nebst Mitgliedern der Theatertruppe, die die Dargestellten auf den Bildern sind. Es sind Szenenbilder, die ihrerseits ein tragender Teil der Inszenierung eines Theaterstücks sind, das im und am Hamburger Hauptbahnhof spielt. Deshalb ein paar Worte dazu:

 

Das Stück

 

Hans Happel, Mitglied der Gemeindeleitung, war Lehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium, sein Schwerpunkt dort „Darstellendes Spiel“. Mit ehemaligen Schülern, die Lust hatten, weiter gemeinsam Theater zu spielen, gründete er die Theatertruppe Bagonghi Compagnie Hamburg, die sich seit über zwei Jahren regelmäßig zur Probe in Probenraum im Turm der Hl. Dreieinigkeitskirche trifft und auch hier ihre Aufführungen zeigt. 

Das aktuelle Stück: ECHT nach einem Roman des Hamburger Journalisten und Autors Christoph Scheuring/für die Bühne eingerichtet von Hans Happel, hatte im November vergangenen Jahres unter der Regie von ihm und Philipp Roth erfolgreich Premiere.

Am 5. Mai um 20:00 Uhr und am 6. Mai um 18:00 Uhr gibt es eine Wiederaufnahme mit zwei Benefizvorstellungen zugunsten des KIDS, der Anlauf- und Beratungsstelle für Straßenkinder rund um den Hauptbahnhof. Das KIDS hat nach langer Suche endlich in der Langen Reihe einen neuen Standort gefunden. 

 

Den Ort, an dem das Stück spielt, die Straßen und Plätze in und um den Hamburger Hauptbahnhof können die Akteure vom Probenraum aus sehen.

Deshalb ein paar wenige Anmerkungen zum Sujet/oder der „Kulisse“ der hier ausgestellten Bilder, dem Hamburger Hauptbahnhof: 

 

Bahnhöfe sind Orte des Verkehrs, aber auch Orte großer Gefühle wie Sehnsucht, Trauer, Hoffnung und des Schmerzes 

 

DIE MYSTERIEN FINDEN AM HAUPTBAHNHOF STATT: 

 

1906 erbaut, ist der Hamburger Hauptbahnhof heute zwar nicht baulich der größte Deutschlands, aber mit mehr als 525.000 Personen, die ihn täglich passieren, neben London Liverpool Station und dem Gare du Nord in Paris, einer der am meisten frequentierte Bahnhof Europas. 

In unseren Rundgängen zum Thema Geschichte der Bahnhofsmission und ihr heutiger Alltag bezeichnen wir den Hauptbahnhof, als wichtigste gesellschaftliche Schnittstelle in der Stadt im Spannungsfeld von wirtschaftlichen Interessen und ungelösten sozialen Notlagen.

 

Heute scheint der Hauptbahnhof, seit 1982 äußerlich denkmalschutzgerecht saniert und innen komplett umgebaut vor allem ein modernes Einkaufszentrum mit Gleisanschluss zu sein Ein Ort geprägt von Konsum und Kommerz der zahllosen Geschäfte in der Wandelhalle und auf dem Südsteg, die fast rund um die Uhr geöffnet sind für Luxus-Einkäufe, aber auch für Snacks und Alkohol.

 

Doch dicht beieinander liegen Hochglanz, elegantes Gepäck und futuristische Züge, neben Alk, Schneematsch und Straßenschmutz, Verwahrlosung und Armut. Teure Düfte mischen sich mit dem Gestank von Schweiß, Urin und Kot. 

 

Immer noch und hauptsächlich ist er ein Ort für ankommende und abfahrende Reisende, für Pendler aus dem Hamburger Umland.

Er ist aber auch Verbindungsstation zum Hafen für Kreuzfahrtreisende und 

Schnittstelle in die Stadt hinein für alle Passanten zwischen City und St. Georg. 

Er ist das erste Fenster in den Westen für die am  ZOB ankommenden Armutspendler aus Süd-Ost-Europa, wenn sie ihre Fühler vorsichtig in die Stadt HH strecken, oder gleich ihre Arbeitskraft als Tagelöhner auf dem Arbeiterstrich zwischen diesen beiden Verkehrsknotenpunkten zu Markte tragen.

 

Er ist Sammelpunkt für Demonstranten politischer Manifestationen, erlaubter und nichtangemeldeter Demonstrationen, Fußballfans und Hooligans 

 

Vor allem aber und auch das seit Anbeginn und in jeder Stadt ist ein Hauptbahnhof Verweilort für die Verlorenen, die Hoffnungslosen, die Unbehausten.

Hier ist man unter einem schützenden Dach, anonym und doch nicht allein.

Geschäfte lassen sich hier auch mit illegaler Ware machen, mit Drogen aller Art und mit dem eigenen Körper.

Run aways, oder auch Straßenkinder und Menschen auf dem Strich, oft Konsumenten legaler und noch mehr Illegaler Drogen treffen sich hier.

Nicht zuletzt haben sich im Bahnhofsumfeld etliche aufsuchende und stationäre Hilfsangebotegerade für diese Menschen angesiedelt.

 

Die Fotos, die wir hier sehen, sind nachgestellte Szenen, vom Leben und von Konflikten in der Szene der Straßenkinder, die eben Gegenstand des Theaterstückes sind, und eben diese Foos und ihr Fotograf, ein Junge aus behütetem bürgerlichen Milieu, der mit seiner Kamera, diese Szene erkundet, spielen in dem Stück eine zentrale Rolle.

 

 Dr. Eva Ursula Lindemann, 15. April 2018

 

Der Fotograf Tom Linardatos ist Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, 17 Jahre alt und macht dort gerade Abitur im Oberstufenprofil "Kunst und Kultur".

 

Zum Fotografen: Tom Linardatos ist Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, 17 Jahre alt und macht dort gerade Abitur im Oberstufenprofil "Kunst und Kultur". über sein Verhältnis zur Fotografie sagt er selbst: 

Ich habe mit sieben Jahren meine erste eigene Digitalkamera bekommen und seitdem nie aufgehört endlos viele Fotos und Videos zu machen. Nachdem ich dann vor drei Jahren in Neuseeland war und dort viele Fotos mit meinem Handy gemacht habe, wollte ich mich unbedingt verbessern und habe mir danach meine erste Spiegelreflexkamera gekauft, mit der ich dann richtig loslegen konnte. Dazu kam einer der weiteren wichtigsten Schritte: das Bearbeiten von Fotos mit professioneller Software. 

Als ich die Anfrage für das Theaterstück "Echt" bekam, sagte ich sofort zu, weil ich allein schon für die Erfahrung mir einen solchen Auftrag nicht entgehen lassen konnte. Nach dem tollen Fotoshooting hatten wir dann mehrere tolle Bilder und ich eine super Weiterbildung für mein Hobby. Ob ich mal professioneller Fotograf werde weiß ich noch nicht, mich zieht es momentan in Richtung Film, was eng mit der Fotografie und meinem anderen Hobby, dem Schauspielen zusammenhängt.

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