Sonntag, 8. Mai 2022 um 18 Uhr

in der St. Georgskirche Hamburg

Es lesen Rolf Becker, Toini Ruhnke

und das Ensemble der Bagonghi Compagnie Hamburg

„Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben. Daher müssen wir unsere Geschichten weitergeben, aufschreiben und versuchen, möglichst viele von euch zu erreichen.

Ihr müsst dann unsere Geschichte weitertragen, ihr müsst uns eine Stimme geben.“

 

Diesen Appell richtete Esther Bejarano (1924 - 2021), die das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hatte, an zwei Jugendliche, mit denen sie kurz vor ihrem Tod ein langes Gespräch führte. „Ihr sollt die Stimme gegen das Vergessen sein, wenn wir nicht mehr da sind“, sagt sie.

Gegen das Vergessen wurde von den Vereinten Nationen der 27. Januar als der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust eingeführt. Es war der Tag, an dem 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit wurde.

Gegen das Vergessen richtet sich auch der Tag der Befreiung am 8. Mai, der Tag, an dem mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa ein Ende fand und der Faschismus besiegt worden war. Dass dieser Tag der doppelten Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus kein Tag der Niederlage ist, sondern ein Tag des Neuanfangs, der zum offiziellen bundesweiten Gedenktag gemacht werden müsse, forderte Esther Bejarano in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Januar 2020.

Angesichts des europaweit wieder zunehmenden Antisemitismus wollen wir ein kleines Zeichen setzen und den Stimmen gegen das Vergessen Raum geben.

 

Die Bagonghi Compagnie Hamburg, eine Theatergruppe junger Menschen, die seit ihrer Gründung im Turm der St. Georgskirche auftritt, liest am Sonntag, den 8. Mai in der St. Georgskirche den ersten Teil aus Peter Weiss' Drama „Die Ermittlung - Oratorium in 11 Gesängen“, in dem der Dramatiker die Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963 - 1965) für die Bühne verdichtet hat, ohne die Aussagen der am Prozess beteiligten Zeugen, Täter, Verteidiger, Ankläger und Richter zu verändern. Elsa Morantes Darstellung der Deportation der jüdischen Bevölkerung Roms im Oktober 1943 und Gedichte des großen spanischen Lyrikers Miguel Hernández (1910 - 1942) ergänzen die Lesung.

 

Zu den Mitwirkenden gehören der Pastor der St. Georgs-Gemeinde Dr. Julian Sengelmann, der Kirchenmusiker Martin Schneekloth (Klavier), Toini Ruhnke, Mitglied im Ensemble des Thalia Theaters, und der Schauspieler Rolf Becker, der im Juli letzten Jahres bei der Beisetzung von Esther Bejarano auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf die Grabrede gehalten hatte. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb an die Angehörigen: „Sie hat uns vor Augen geführt und gemahnt, dass wir diesen Zivilisationsbruch niemals vergessen dürfen. Sie hat unsere Verantwortung, eine menschliche Zukunft zu gestalten, deutlich gemacht.“

 

Die Lesung findet zugunsten der Arbeit des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland e.V. statt, deren Vorsitzende Esther Bejarano viele Jahre war.

 

Es lesen Rolf Becker, Toini Ruhnke sowie Leon Aydin, Camille Glaesener, Lea-Francesca Grünbichler, Hans Happel, Jill Aurora Láposi, Oskar Lukas, Janco Ohlen, Thibault Peppel, Paul Roth, Niklaas Vogel und Linus Wilke.

Klavier: Martin Schneekloth

Konzept & Regie: Hans Happel und Philipp Roth

Die Plakatfotos stammen von Rudolf Wernicke (Rolf Becker), Jakob Fliedner (Toini Ruhnke) und Philipp Roth (Stolperstein).

Die Aufführungsrechte liegen beim Suhrkamp Theater Verlag, Berlin.

 

Die Lesung findet am Sonntag, 8. Mai 2022 um 18 Uhr in der St. Georgskirche Hamburg (St. Georgs Kirchhof, 20099 Hamburg) statt.

Eintritt: 5 Euro (ermäßigt: 3 Euro)

 

Karten können hier reserviert werden. Über diesen Link sind auch die Hygienehinweise zu finden.

 

Rolf Becker (geboren 1935 in Leipzig) absolvierte seine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München und debütierte an den Münchner Kammerspielen. Es folgten Theaterengagements in Darmstadt, Ulm und Bremen. Am Theater Bremen inszenierte er auch und war als Oberspielleiter der Oper tätig. 1971 wechselte er an das Deutsche Schauspielhaus und ließ sich in Hamburg nieder. Neben der Theaterbühne ist er in über 200 Kino- und Fernsehfilmen sowie -serien zu sehen und machte sich mit seiner markanten Stimme auch als Synchron- und Hörspielsprecher einen Namen. Zwei seiner Kinder (Ben und Meret Becker) sind ebenfalls erfolgreiche Schauspieler. Rolf Becker ist politisch und sozial sehr engagiert, besonders in der Friedensbewegung. Mit Esther Bejarano verband ihn eine langjährige Freundschaft.

 

Foto: Rudolf Wernicke

 

 

 

Toini Ruhnke (geboren 1993 in Henstedt-Ulzburg) studierte nach ihrem Abitur am Hamburger Albert-Schweitzer-Gymnasium von 2014 bis 2018 Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und ist seit der Spielzeit 2018/19 festes Ensemblemitglied am Thalia Theater. In der aktuellen Spielzeit spielt sie u.a. in der Produktion "Doughnuts" (Text und Regie: Toshiki Okada), die zum Berliner Theatertreffen 2022 eingeladen ist. Seit 2014 ist sie in verschiedenen Fernsehproduktionen zu sehen, seit 2018 arbeitet sie zudem als Sprecherin von Hörbüchern und Hörspielen sowie bei NDR Info.

 

Foto: Jakob Fliedner

Fotos: Philipp Roth

Vom 20.04. bis 08.05.2022 findet im Bezirk Hamburg-Mitte die Woche des Gedenkens statt:

In diesem Rahmen präsentieren sich Initiativen und Einrichtungen mit Führungen, Stadtrundgängen, Theater- sowie Filminszenierungen, Lesungen und Gesprächsrunden. So soll vor allem das Bewusstsein für unsere Geschichte gestärkt werden. Gedenken ist dabei kein Selbstzweck. Vielmehr soll es zu einem Informationsaustausch anregen und letztlich dazu führen, das gewonnene Wissen auf aktuelle Problematiken und Tendenzen zu übertragen, um die Propaganda der Intoleranz, des Hasses, der Ausgrenzung, der Verfolgung und des Faschismus nie wieder erstarken zu lassen.

Alle Informationen zu den Programmpunkten und Initiativen gibt es hier.

 

Vom 20.04. bis 31.05.2022 findet außerdem in Hamburg-Eimsbüttel der 9. Monat des Gedenkens - Erinnern an Opfer und Widerstand während des NS-Regimes - statt. Alle Informationen zu dem Programm gibt es hier.

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